Simulation

Wenn es bei einem Unglück viele Verletzte gibt, ist es unerlässlich, dass die medizinischen Rettungskräfte schnell und sicher Entscheidungen treffen. Diese Sicherheit und Schnelligkeit gewinnen sie durch Ausbildung und regelmäßiges Üben. Vollübungen mit Verletztendarstellern sind teuer und zeitaufwändig. Hier setzen die zwei Simulationssysteme (Dynamische Patienten Simulation und Führungs-Simulation MANV) an, die die BBK eigene Akademie für Krisenmanagement, Notfallplanung und Zivilschutz (AKNZ) in den Seminaren für Katastrophenmedizin einsetzt.

Mit Unterstützung der Simulationssysteme können die (Leitenden) Notärztinnen und -ärzte sowie Führungskräfte der Feuerwehr und Hilfsorganisationen mit Führungsaufgaben im Rettungs- und Sanitätsdienst wieder und wieder üben. Beispielsweise kann durch die „Dynamische Patienten Simulation“ der Einsatz in einer Patientenablage und einem Behandlungsplatz realitätsnah dargestellt werden, ohne den Aufwand einer Vollübung.

Auf der Grundlages dieser durch das BBK bereitgestellten Konzepte haben unsere Multiplikatoren und das Trainerteam beide Simulationssysteme auf die Anforderungen des Landkreis MOL angepasst und führen regelmäßig Trainings durch.

Weitere Informationen findest Du unter www.bbk.bund.de.

Mit freundlicher Unterstützung von www.strausberg.tv.

Simulationssysteme im Überblick

Dynamische Patienten Simulation

Durch die Dynamische Patienten Simulation kann der Einsatz in einer Patientenablage und einem Behandlungsplatz realitätsnah dargestellt werden. Es können nicht nur die Führungsfunktionen, sondern auch die Funktionen der „normalen“ rettungsdienstlichen Einsatzkräfte“ beübt werden.

Bei diesem System stehen die Medizin, die medizinischen Maßnahmen und Entscheidungen unter Zeitdruck im Vordergrund. Die Patienten werden durch laminierte DIN A3 Karten dargestellt. Sie gliedern sich in fünf Phasen, die jeweils 15-20 Minuten dauern.

Je nachdem, welche Maßnahme die Übungsteilnehmer am Patienten durchführen oder unterlassen, ändert sich der Zustand des Patienten. Er kann sich verbessern, gleich bleiben oder auch verschlechtern. Die Patientenzustände sind durch fachlichen Input im Vorhinein so weit vorbereitet, dass die Übungsleitung nur sehr gering in den Übungsablauf eingreifen muss und die Teilnehmer den Erfolg ihrer Maßnahmen selber kontrollieren können.

Das Material wird mit Hilfe von kleinen Aufklebern dargestellt. Sie können an die örtliche Materialvorhaltung auf den Fahrzeugen angepasst werden, so dass in den Übungen auch das Material realitätsnah beübt werden kann. Ziel ist es hier unter anderem, dass sich die Teilnehmer z.B. entscheiden, welcher von fünf Patienten die einzige Infusion bekommt, die man im Notfallkoffer zur Verfügung hat.

Die Materialaufkleber sind zudem mit Größen und Zeitangaben versehen. Somit muss man auch darauf achten, dass z.B. ein Endotrachealtubus auch die richtige Größe für den Patienten besitzt. Die Zeitangaben dienen dazu, den Teilnehmern ein Zeitgefühl zu vermitteln. Eine Blutdruckmessung dauert z.B. eine Minute (realistische zeitliche Betrachtung der Maßnahme) und gerade in der Anfangsphase eines Einsatzes muss der Teilnehmer sich gut überlegen, ob er den Messwert wirklich für die Patientenversorgung benötigt oder in der wertvollen Zeit nicht besser andere Maßnahmen durchführt.

Auf diese Weise wird eine Entscheidung über den optimalen Einsatz von Ressourcen nach Notwendigkeit, Dringlichkeit, Verfügbarkeit, zeitlichem Aufwand trainiert und anhand der entsprechenden Konsequenzen für die Gesamtzahl der Patienten evaluiert.

Es ist auch durchaus gewollt die Teilnehmer gezielt unter Stress zu setzen, da an realen Einsatzstellen der Stresspegel ebenfalls sehr hoch sein wird.

Führungs-Simulation MANV

Die Führungs-Simulation MANV ist ein Hilfsmittel, mit dem man alle Führungssysteme im Rettungsdienst, incl. Leitstelle und Personenauskunftsstelle beüben kann. Sie lässt sich ohne großen Aufwand an die örtlichen Gegebenheiten anpassen. Ziel ist es, die Führungsfunktionen, die Kommunikation und die Schnittstellen bei einem Massenanfall von Verletzten zu trainieren.

Das Material besteht zum einen aus Karten, die die Einsatzmittel und Einsatzkräfte abbilden und zum anderen aus Patienten, die in regelmäßigen Abständen ihren Zustand ändern und somit die Dynamik der Simulation noch erhöhen.

In der Simulation werden die realen Einsatzfahrzeuge des Rettungsdienstbereiches (incl. überörtlicher Unterstützung) abgebildet. Die entsprechenden Einsatzmittelketten und die reale Entfernung zur Einsatzstelle werden ebenfalls berücksichtigt. Somit treffen die Fahrzeuge dann in der in Echtzeit ablaufenden Übung wie in der Realität zeitversetzt an der Einsatzstelle ein.

Die Teilnehmer sollen lernen, in der Anfangsphase des Einsatzes mit wenigen verfügbaren Kräften die richtigen Führungsentscheidungen zu treffen. Im weiteren Verlauf sind die Raumordnung und das Führen von vielen Einsatzkräften notwendig.

Die Wegstrecken zu den Krankenhäusern werden ebenfalls realistisch wiedergegeben. Dadurch bekommen die Führungskräfte oft das erste Mal ein Gefühl dafür, wie lange es dauert, bis ein Fahrzeug nach einem Transport wieder einsatzbereit an der Einsatzstelle eintrifft.

Durch die Angaben auf den Patientenkarten kann die Transportorganisation ebenfalls gut beübt werden. Hier sind alle wichtigen Informationen für den weiteren Simulationsverlauf vermerkt.

Ein wesentlicher Aspekt der Führungs-Simulation MANV das Beüben von Schnittstellen. Im Einsatz kommt es hier oft zu Reibungsverlusten. Diese kann man mit Hilfe des Systems sehr gut analysieren und in der Folge Lösungsstrategien entwickeln.

Durch das System können ebenfalls Einsatzkonzepte, Checklisten und Formblätter ohne großen Aufwand erprobt werden. Gerade wenn Neuerungen implementiert werden sollen, ist es aufgrund der geringen Einsatzhäufigkeit und der wenigen Übungen leichter, diese mit Hilfe des Systems zu evaluieren. Eine Einbindung der Leitstelle oder anderer übergeordneter Führungsstrukturen in die Übung trainiert sehr gut die Kommunikation.

Konzepte der Führungsunterstützung für OrgL/LNA lassen sich ebenfalls gut erproben, und es werden sehr schnell die jeweiligen Vor- und Nachteile ersichtlich. Die Übungsleitung muss nur in sehr geringem Umfang in das Geschehen eingreifen, da die in Echtzeit ablaufende Simulationsübung ebenfalls wie die Dynamische-Patienten-Simulation eigenständig ablaufen kann.